20 March 2020
Familie

Konkreter Vorschlag, um „Hauskirche“ zu sein

»Die Gegenwart des Herrn wohnt in der realen, konkreten Familie mit all ihren Leiden, ihren Kämpfen, ihren Freuden und ihrem täglichen Ringen« (Amoris Laetitia, 315).

In der Kirche haben wir einen verborgenen Schatz: Die Familie. Der Herr hat sein Volk in jeder Krisenzeit immer mit außergewöhnlichen Botschaften begleitet und es scheint, dass er es sogar auch in dieser Pandemie macht, die uns alle zwingt, uns in unsere Häuser zurückzuziehen. Die Feiern sind eingestellt, viele Kirchen sind geschlossen und es ist riskant, sie zu erreichen. Wir fühlen uns allein, isoliert und es ist genau in dieser Isolierung, dass der Geist uns anregt, das Sakrament der Ehe neu zu entdecken, durch die unsere Häuser, durch die ständige Gegenwart Christi in der geheiligten Beziehung der Ehepartner, eine kleine Hauskirche sind.

In den Häusern garantieren die Eheleute in der Tat die tägliche vierundzwanzigstündige Gegenwart Christi. Papst Franziskus unterstreicht in Amoris Laetitia, auf Nr. 67, diese Wahrheit: »Christus, der Herr, „begegnet den christlichen Gatten im Sakrament der Ehe“ und bleibt bei ihnen«. Christus geht nicht weg, sondern er bleibt bei den Ehepaaren und ist in ihrem Haus gegenwärtig, nicht nur wenn sie beisammen sind und beten, sondern in jedem Augenblick.

In der Kraft dieser Wirklichkeit können wir diese außergewöhnliche Zeit fruchtbar machen als eine Zeit, in der jede christliche Familie das wiederentdecken kann, was sie ist, nämlich eine echte Offenbarung des Geheimnisses, das die Kirche als Leib Christi ist. Die Eheleute »bauen den Leib Christi auf, indem sie eine Hauskirche bilden« (Amoris Laetitia, 67). Jede Familie ist ein wesentlicher Teil dieses Leibes, sie bildet sich heraus aus den kleinen Gesten im Alltag, wo Christus ständig gegenwärtig ist.

Der Herr hat uns diese Zeit als eine Übungszeit angeboten, während wir darauf hoffen, das derzeitige Übel zu überwinden. In dieser Zeit, da wir eng in unseren Häusern zusammenleben, sind wir aufgerufen, uns ständig in der Liebe zu üben. Wie oft am Tag gibt uns der Herr in dieser Zeit die Möglichkeit, unsere Kinder liebevoll anzuschauen und mit liebevoller Geduld unseren Ehepartner; den Ton unserer Stimme zu mäßigen, auch wenn um uns herum eine unerwartete Unordnung herrscht, unsere Kinder zu erziehen, diese ausgedehnte Zeit zu Hause gut zu nutzen, die nie zu enden scheint; sie zu einem Dialog zu erziehen, der darin besteht, dem anderen zuzuhören, voll Ehrfurcht, auch wenn der andere anders ist, als ich mir wünsche. Es ist für jeden von uns eine Zeit des Wachstums, in der wir lernen müssen, den Rhythmus des Alltags zu schlagen, der nicht mehr von der hektischen Arbeit kontrolliert und bei der Führung der Familie von der „Aktivität“ beherrscht ist. Es sind Stunden, die unserer Fähigkeit zur Verfügung stehen, dem anderen in den engen Mauern unserer Häuser Raum zu lassen. Wie wichtig ist es, in dieser neuen Dimension, in die wir hineingeworfen worden sind, dass sich der Ehemann und die Ehefrau in die Augen schauen und miteinander sprechen können, gemeinsam die Stunden des Tages planen, im Bewusstsein, dass zwischen den häuslichen Mauern eine herrliche Gegenwart ist, die aus ihrer Beziehung hervorquillt, nämlich Christus. Denn dies ist nicht nur eine Zeit der menschlichen, sondern auch der geistlichen Übung. Wie in Zeiten der ersten christlichen Gemeinden, ist es eine Zeit der Vor-Evangelisierung, durch die der Herr uns einlädt, in den Häusern und durch die Häuser als Familie zusammenzukommen, bei einer entzündeten Kerze gemeinsam zu beten, damit wir daran denken, dass da Einer ist, der uns eint und uns in dieser schwierigen Lage liebt. Es kommt einmal die Zeit, da wir wieder die Feiern in den Kirchen halten können, aber mit größerem Bewusstsein und in der Kraft der Gegenwart Christi in unserem Alltagsleben.

Bemühen wir uns, die Einladung des Herrn an unsere Häuser anzunehmen. Versammeln wir uns am Sonntag als Familie, um noch festlicher die Hausliturgie zu feiern, die durch Christi Gegenwart sich in »die lebendigen Gesten der Liebe verwandeln« und in eine »ununterbrochene Weiterführung der liturgischen Sprache«, und so »wird das eheliche Leben in gewissem Sinn Liturgie« (Amoris Laetitia, 215).

Wie wir das tun ist ganz einfach: Wir können alle in einem Zimmer zusammenkommen, einen Psalm des Lobes beten, uns gegenseitig, die Eheleute untereinander und die Eltern und die Kinder untereinander, mit einem Wort oder einer Geste um Verzeihung bitten, das Sonntagsevangelium lesen, einen Gedanken teilen über das, was das Wort Gottes in einem hervorruft, ein Gebet sprechen in den Anliegen der Familie, der Personen die wir lieben, der Kirche und der Welt. Zum Schluss können wir unsere Familie und jede uns bekannte Familie der Sorge der Gottesmutter anvertrauen.

Alle Familien können das tun, denn Christus hat gesagt: »Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen« (Mt 18,20). Vielleicht könnten wir aber auch versuchen, eine Gemeinschaft mit mehren Familien zu machen, die am Sonntag per Skype, oder anderen Kommunikationsmitteln, zusammen beten und man so die Vorteile der moderne Technologie ausnutzt. Wir könnten unsere Kinder etwas vorlesen lassen, oder abwechselnd die Ehepaare und die Familien, die über das Internet verbunden sind.

Denken wir daran, dass die Eheleute ein Zeichen des Ostergeheimnisses sind, das in jeder Eucharistie gefeiert wird (»Die Eheleute sind daher für die Kirche eine ständige Erinnerung an das, was am Kreuz geschehen ist«, Amoris Laetitia, 72). Sie sind Prophezeiung, fleischgewordene Verkündigung im Alltag, der aus kleinen Gesten besteht, die die Selbsthingabe ausdrücken, so wie es Jesus getan hat. Nutzen wir diese etwas seltsame Zeit aus, um den Geist in unseren Häusern aufzunehmen und zu leben, und den Reichtum und die Gabe unserer Hauskirchen zusammen mit Christus zu entdecken, der in uns wohnt.

                                                                                                                      Kevin Card. Farrell

                                                                                                                                Präfekt